Thema Monatsgruß 06 07 | 2018

Zur Ruhe kommen

Was ist eigentlich „Meditation“?

Vor einigen Jahrzehnten hatte man vom Bruder der Tante des verstorbenen Onkels gehört, dass er schon mal meditiert hat. Meistens verband man damit einen Teebeutel-schwingenden, in sich gekehrten Vergeistigten, der bei Räucherstäbchen und Kerzenlicht in einem unbequemen Lotussitz verharrte. Mittlerweile hat sich das Bild grundlegend gewandelt und manch einer von uns hat Meditation vielleicht selbst schon mal ausprobiert. Fast alle großen Sportler haben ihre Zeit, in der sie nach innen gehen, einfach weil sie wissen, dass dort die Wurzel für ihren Erfolg liegt. Auch erfolgreiche Menschen in der Wirtschaft nehmen sich regelmäßig Zeit für Meditation, für
eine Innenschau. Meditation kommt vom lateinischen „meditatio“ – „nachdenken, nachsinnen, überlegen“ – und ist eine in vielen Religionen ausgeübte spirituelle Praxis. Durch Achtsamkeits- oder Konzentrationsübungen soll sich der Geist beruhigen und sammeln.
Genau hierin liegt auch ihre besondere Anziehung, denn jeder von uns weiß: Vom Klingeln des Weckers am Morgen bis spät in den Abend hinein sind die Gedanken ständig unterwegs und manch einer muss erst wieder neu lernen, zurück in die Ruhe und Stille zu finden!

 

Wie meditiert man richtig?

Nicht nur die geübten „Fans der Meditation“ wissen natürlich: Meditieren kann man überall! In der Warteschlange im Supermarkt, im bequemen Liegestuhl am Strand und sogar beim Abwasch kann man das „Hamsterrad der Gedanken“ zum Stillstand bringen. Ich persönlich bin kein großer Fan von Stühlen, Sitzkissen oder „Hände in den Schoß legen“ – am besten gelingt mir meine Meditation im Liegen und mit herrlich entspannender Musik.
Ansonsten gibt es tatsächlich nur ein paar Tipps, die ganz förderlich sind. Es empfiehlt sich, am besten täglich zur Ruhe zu kommen, wenn möglich immer am selben Ort und zur selben Zeit, damit der Geist sich daran gewöhnt. Dann lässt man den Ballast des Tages los und achtet auf seinen Atem oder man lässt sich anfüllen von Gottes heilender und beruhigender Schöpferkraft. Lassen Sie die Gedanken einfach kommen und gehen und kämpfen Sie niemals gegen einen negativen Gedanken an, denn: Was Sie denken, das verstärkt sich!
Erfahrungsgemäß kann es tatsächlich vier bis fünf Wochen dauern, bis die „Meditation greift“. Dann werden Sie merken, dass Sie immer besser und immer schneller in die Entspannung kommen. Hilfreich sind oft auch „Fantasiereisen“ auf CD, die Sie sehr schnell für ein paar Minuten in eine „andere Welt“ bringen. Täglich mindestens zehn Minuten sollten es dann schon sein – entweder am Morgen oder am Abend, ganz wie Ihr Tagesrhythmus es Ihnen erlaubt. Es kann tatsächlich passieren, dass Sie sich die ersten Tage einfach disziplinieren müssen, dann aber wird es leicht und Sie wollen auf ihr tägliches „Zur Ruhe kommen“ einfach nicht mehr verzichten. Klar ist natürlich auch: Schalten Sie Ihr Handy ab und wenn‘s geht auch die Haustürglocke!

 

Was bringt mir Meditation?

Abschließend muss natürlich auch noch auf die Frage geantwortet werden, die mir am häufigsten gestellt wird: Was bringt das eigentlich? Was kann Meditation vielleicht auch für den Alltag bewirken? Wenn Sie konsequent dranbleiben, werden Sie schon bald viele physische und psychische Veränderungen an sich bemerken:

  • Meditation entspannt und macht gelassen. Auch in Stresssituationen kommt man sehr schnell wieder in die Entspannung zurück.
  • Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen werden gesteigert. Die Kreativität nimmt zu, die Arbeit kann effektiv und in kürzerer Zeit erledigt werden.
  • Man lernt sich auf seiner „Reise nach innen“ besser kennen, lieben und schätzen.
  • Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl werden wachsen, die Beziehungen zu den Menschen und der Partnerin/dem Partner werden tiefer.
  • Dinge, über die man sich früher maßlos aufgeregt hat, verlieren plötzlich an Gewicht und Bedeutung
  • Emotionale Stabilität, verbessertes Stressempfinden und positives Denken.
  • Besserer Nachtschlaf und gestärktes Immunsystem, Blutdruck und Cholesterinspiegel sinken.
  • Meditation tankt die „leeren Batterien“ wieder auf und gibt neue Kraft für die Aufgaben des Alltags

    Dies sind nur einige von vielen Vorzügen der Meditation. Die weiteren Ergebnisse der Wissenschaft sind zudem sehr beeindruckend: Bereits nach 25 Stunden Meditation sind die ersten Veränderungen im Gehirn messbar. „Zur Ruhe kommen“ verändert die Chemie im Gehirn und in den Körperzellen. Oder kurz: Meditation ist Balsam für Körper und Geist!

Und übrigens:

Auch wenn das Wort „Meditation“ in der Bibel nicht vorkommt, so spricht sie doch sehr oft vom „intensiven Nachdenken“. Sie weiß, dass aus dem Inneren, aus dem Herzen der Menschen, die bösen Gedanken kommen (Mk.7,21) und wer seine Gedanken nicht unter Kontrolle hat, der lässt sich leichter zu schlechten Taten hinreißen (Jak.1,14). Deswegen rät die Bibel, über das nachzudenken, was „wahr, gerecht, rein und liebenswert“ ist (Phil.4,8).Und natürlich ist „Zur Ruhe kommen“ eines der zentralen Themen in der Bibel. Gott selbst ruhte am siebten Tag. Ein Ruhetag pro Woche ist kein notwendiges Übel, sondern vom Schöpfer selbst angeordnet (1.Petr.4,7). Der Prophet Elia setzt sich im Alten Testament unter einen Ginsterbusch, weil er völlig ausgebrannt und erschöpft ist (1.Kön.19,1ff). Gott lässt ihn erstmal ausruhen, bevor er ihn mit „Essen und Trinken“ wieder auf die Füße stellt. Als die Menschen Jesus bestürmen und belagern, zieht er sich erstmal an einen einsamen Ort zurück und sucht das Zwiegespräch mit dem Vater (Mk.1,35). Nutzen wir also auch im biblischen Sinne die Chance, unsere Kräfte in der Ruhe wieder aufzuladen – und das nicht nur zur Urlaubszeit …!

Matthias Vogt