Thema Monatsgruß 04 05 /2024

Zurück an die Quelle – Zugänge zur Bibel

 

Die meisten von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, gehören wahrscheinlich zu der deutlichen Mehrheit von Menschen, die glauben, dass es eine höhere Macht oder eine Gottheit gibt, die Einfluss aufihr Leben hat. Dann liegt es nahe zu versuchen, mit diesen Kräften in Beziehung zu treten. So verehren Menschen auf der ganzen Welt
ihre Gottheiten. Oft ist dies verbunden mit der tiefen Sehnsucht, dass auch Gott reden möge und wir Gewissheit bekommen, was wir von ihm erwarten dürfen. 

Was für ein Privileg wäre es, wenn Gott tatsächlich zu uns reden würde …

 

Genau so begegnet uns der Gott der Bibel. Bereits die Schöpfung der Erde und des Menschen wird uns als ein Geschehen beschrieben, das davon bestimmt ist, dass Gott spricht. Sein Wort ruft ungeordnete Materie, eine Struktur und Lebensraum zu bilden. Doch dabei bleibt es nicht. Dann ruft Gott den Menschen in eine Gemeinschaft mit ihm, die von Begegnung und Austausch bestimmt ist. 

 

Das Kommen Jesu Christi wird als die Fleischwerdung des Wortes Gottes bezeugt. Mit unseren menschlichen Möglichkeiten der Wahrnehmung können wir Gott reden hören. Er spricht durch die Worte und Taten des Mannes aus Nazareth. Und all dies ist gut berichtet in den Schriften zahlreicher Zeugen, besser als etwa das Wirken der römische Kaiser. 

 

Kein Wunder, dass die Bibel das meistverbreitete Buch darstellt. Und doch bleibt sie häufig ungenutzt. Wie eine unbemerkte Schatztruhe, direkt neben uns. Das erscheint umso paradoxer, je mehr wir unsbewusst machen, dass in anderen Teilen der Welt auch heute noch Menschen eine Gefängnisstrafe und sogar ihr Leben riskieren, nur, weil sie im Besitz einer Bibel sind.

 

Der Zugang zu einem Wort fängt natürlich damit an, dass wir es hören. Viele denken an die Predigten in der Kirche. Doch mindestens genauso wichtig sind die persönlichen Momente, in denen ich der Bibel mein Ohr schenke. Und dann kann es auch hilfreich sein, sich mit anderen Menschen in Kleingruppen und Hauskreisen über Worte aus der Bibel und ihre Bezüge für unser Leben heute auszutauschen. Dazu bieten viele Kirchengemeinden geeignete Kreise und Treffen an. 

 

Beim Hören spielt immer die innere Haltung mit. Mit welcher Erwartung höre ich? Analysiere ich einen Text? Oder geht es um mehr? 

Damit die Worte der Bibel lebendig werden, empfiehlt es sich, sie mit der Erwartung zu lesen, dass Gott tatsächlich die Worte der Zeugen von damals benutzt, um heute zu uns zu sprechen. Das klappt nicht immer, aber doch häufig. Und dann wird es meist ganz persönlich. Entsprechend darf und soll ich meine Lebenssituation mit all meinen Fragen und Bedürfnissen mitbringen. Ich darf erwarten, dass Gott durch sein Wort auch zu mir redet und mir Antworten gibt. 

 

Schließlich geht es auch um meine Bereitschaft, mich durch das, was ich von Gott gehört habe, zu neuen und ungewohnten Schritten herausfordern zu lassen. Gerade in den Erfahrungen mit neuen Gedanken und Verhaltensweisen zeigt sich die Aktualität und Tiefe von Gottes Reden. 

 

Die Bibel und Jesus sprechen immer wieder davon, wie wichtig es ist, Gottes Wort nicht nur zu hören, sondern auch zu tun. Zur Ver-anschaulichung dieses Zusammenhangs gebraucht Jesus einige eindrückliche Vergleiche. Sie können uns helfen, dem Wort Gottes mit hilfreichen Fragestellungen zu
begegnen.

 

Als Jesus sich vierzig Tage lang in der Wüste auf sein öffentliches Wirken vorbereitete, hatte er natürlich Hunger. Das war für den Widersacher ein willkommener Ansatzpunkt, um Jesus zu versuchen. In seiner Zurückweisung spricht Jesus eine tiefe Erkenntnis aus: 

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort,
das aus dem Mund Gottes geht.“
(Matthäus 4,4)

Das erleben wir auch heute: Äußere Versorgung und Wohlstand machen uns noch lang nicht innerlich satt. Ein Ansatz zum Bibel-lesen: Was für Aussagen begegnen mir, die mit meinem inneren Hunger zu tun haben? Wie kann er wirklich zur Ruhe kommen?

 

 In mehreren Gleichnissen spricht Jesus vom Wort Gottes als ein Saatkorn. Es wächst von selbst, es fällt auf verschiedene Böden und es ist bestimmt, Frucht zu bringen. „Und jene sind es, die auf das gute Land gesät sind: Die hören das Wort und nehmen’s an und bringen Frucht, einige dreißigfach und einige sechzigfach und einige hundertfach.“
(Markus 4,20)

Ein Ansatz zum Bibellesen: Wo begegnen mir in der Bibel Worte, die das Potenzial in sich tragen, Neues in meinem Leben wachsen zu lassen? Wie kann ich zulassen, dass diese Worte in meinem Leben Wurzel schlagen können?

  

An anderen Stellen vergleicht Jesus das Wort Gottes mit einem Fundament, auf das wir bauen können. In den Stürmen des Lebens wird es seine Stabilität erweisen und uns Halt geben. 

 

„Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht 

einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. 

Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die 

Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; 

denn es war auf Fels gegründet.“ 

(Matthäus 7,24-25) 

 

Ein Ansatz zum Bibellesen: Wo werden in der Bibel Ängste und Krisen angesprochen, die ich kenne? Welche Zusagen im Wort Gottes eignen sich für mich als Halt?

  

Bereits in den Psalmen, aber auch im Neuen Testament wird das Wort Gottes als ein Licht erlebt, das sowohl erhellt als auch Orientierung ermöglicht. „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“ (Psalm 119,105) 

Ein Ansatz zum Bibellesen: Wo stehe ich gerade vor Entscheidungen und frage nach dem rechten Weg? Welche Bibelstellen geben mir Wegweisung und helfen mir, Lebenszusammenhänge besser zu verstehen? Wo werde ich herausgefordert, neue und mir bisher ungewohnte Wege zu gehen?

  

Ganz praktische Fragen:

  • Welche Bibelübersetzung? Viele Menschen sind immer noch mit der Übersetzung Martin Luthers vertraut. In der katholischen Kirchewird viel die ökumenische Einheitsübersetzung verwendet. Moderne, leichter verständliche, aber oft auch freiere Übersetzungen sind z.B. Die Gute Nachricht, die Basisbibel oder Hoffnung für alle.
  • Wo anfangen? Am besten mit einem der Evangelien, z.B. Markus oder Lukas. Dann die Apostelgeschichte und als Gebete die Psalmen.
  • Wenn es Erklärungen braucht: Dann helfen oft Bibellesehilfen, etwa vom Bibelbund (www.bibellesebund.de) das Büchlein „Ganz. Einfach. Bibel. – Neu eintauchen und Gott begegnen.“ Oder das Heft „Was Gott verspricht – 18 verheißungsvolle Bibellese-Impulse“. Oder der Neukirchner Kalender mit einem Vorschlag für jeden Tag zum Lesen eines Bibeltextes und Gedanken dazu, als Abreißkalender oder Taschenbuch (neukirchener-verlage.de). 
  • Und natürlich helfen auch Ihre Pfarrerinnen und Pfarrer gerne weiter.

 

Pfarrer Thomas Bovenschen 

  • Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

    Woher kommt mir Hilfe?

    Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

    Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,

    und der dich behütet, schläft nicht.

     

     Aus Psalm 121

     

     

     

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